GrowTreat

Verbundprojekt GROWTREAT: Auswirkungen von Vernachlässigung und Kindesmisshandlung unter verschiedenen Interventionsbedingungen

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Viele Pflegekinder haben Misshandlungserfahrungen gemacht, die zu einer Fremdplatzierung geführt haben. Frühe traumatische Erfahrungen, seelische Verletzungen, Umbrüche und Krisen stehen oft mit zahlreichen emotionalen und Verhaltensproblemen bei Kindern in Zusammenhang und es ist für die Betroffenen häufig nicht leicht, die Erlebnisse zu verarbeiten. Nicht selten beeinflusst es ihre Verhaltensweisen auch dann noch nachhaltig, wenn sie in einer „neuen“ Familie untergebracht wurden. Die langfristigen Folgen von Misshandlungserfahrungen und Fremdunterbringungen führen dazu, dass es ehemaligen erwachsenen Pflegekindern nur in der Hälfte aller Fälle gelingt, eine ökonomische Selbstständigkeit, gute Familienbeziehungen und eine gute Fürsorge für ihre eigenen Kinder zu verwirklichen. In dem Verbundvorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungsverfahrungen unter unterschiedlichen Förderbedingungen untersucht werden.

TREAT-Part

Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Institut für Psychologie
Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik
Humboldtstr. 33
38106 Braunschweig

Leiterin: Prof. Dr. Nina Heinrichs

Mit diesem Vorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen unter verschiedenen Förderbedingungen erforscht werden. Dazu wird an der TU Braunschweig der zusätzliche Nutzen einer neuen Intervention („Taking Care Triple P“) untersucht, die Pflegeeltern in der Erziehung ihres Pflegekindes unterstützen soll. Die klinische Studie (TREAT-Part) ist eingebettet in eine Längsschnittstudie zur Entwicklung von Pflegekindern mit Missbrauchs- und Vernachlässigungserfahrungen. Erfasst werden sollen Veränderungen in der Pflegeeltern-Kind-Interaktion, dem elterlichen Erziehungsverhalten und der Anzahl notwendiger Unterbringungswechsel. Auch Veränderungen in Hinblick auf psychische Auffälligkeiten beim Pflegekind, die kindliche Emotionsregulation sowie neurobiologische Veränderungen in der Stressreaktion werden betrachtet. Darüber hinaus sollen durch die Studie Aussagen darüber möglich werden, inwiefern Pflegekinder, soweit sie in einer positiven und sicheren Umgebung aufwachsen, die Chance auf eine normale Entwicklung haben. Einem per Zufall ausgewählten Teil der in die Längsschnittstudie eingeschlossenen Pflegeeltern wird die Teilnahme an einer an die Bedürfnisse von Pflegefamilien angepassten Intervention zur Förderung der Erziehungskompetenz und des Umgangs mit dem Pflegekind angeboten. Das Elterntraining umfasst fünf Gruppensitzungen, zwei individuelle Telefonberatungen und eine Abschlusssitzung. Zur Überprüfung des zusätzlichen Nutzens im Vergleich zu den regulären Angeboten für Pflegefamilien finden im Rahmen des TREAT-Parts zu drei Zeitpunkten Erhebungen statt: vor Beginn, direkt nach sowie ein Jahr nach der Intervention.

Neurokognition und Neurobiologie

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Fakultät 10 – Medizin und Universitätsklinikum
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Pauwelsstr. 30
52074 Aachen

Leiterin: Prof. Dr. Kerstin Konrad

Mit dem Vorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern unter unterschiedlichen Förderbedingungen untersucht werden. In diesem Teilprojekt sollen insbesondere die Auswirkungen von Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen auf exekutive Funktionen und Emotionsregulation, auf das autonome Stress-System, die Schlafqualität und auf immunologische Parameter untersucht werden. Des Weiteren soll der Frage nachgegangen werden, welche Marker prädiktiv für die weitere Entwicklung der psychischen und physischen Gesundheit von Pflegekindern sind bzw. ob solche Veränderungen durch spezifische Interventionsmaßnahmen modifiziert werden können. Um die zu Grunde liegenden neurobiologischen Mechanismen von Vernachlässigung und Misshandlung besser zu verstehen, werden im Rahmen der Longitudinalstudie neben einer ausführlichen allgemeinen Entwicklungs- und psychopathologischen Diagnostik der Pflege- und Vergleichskinder zusätzliche spezifische neurobiologische und neurokognitive Marker erhoben (Schlafqualität: Aktigraphie & Fragebögen; HPA-Achse: Haarkortisol und Kortisol-Stress-Reaktivität; Emotionsregulation: Emotionale Go-No go-Aufgabe; Immunologie: sIgA, CRP, Anzahl der T-, B- und NK-Zellen, Transkriptomik). Der Vergleich der Post-Messungen der Pflegekinder aus der Interventions- und Kontrollbedingung erlaubt ferner Aussagen zur Wirksamkeit der spezifischen Intervention auf neurobiologischer und neurokognitiver Ebene.

GROW-Part

Universität Bielefeld
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Abt. für Psychologie
Universitätsstr. 25
33615 Bielefeld

Leiter: Prof. Dr. Arnold Lohaus

Mit dem Vorhaben soll die Entwicklung von Pflegekindern mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen unter unterschiedlichen Förderbedingungen untersucht werden. Es wird dabei von der Annahme ausgegangen, dass Kinder mit Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen vor allem unmittelbar nach dem Übergang in eine Pflegefamilie deutliche Entwicklungsauffälligkeiten aufweisen, die sich jedoch mit der Dauer der Fremdunterbringung reduzieren. Mit der geplanten Studie soll deutlich werden, welche Kinder von einer Fremdplatzierung stärker und welche Kinder weniger stark profitieren. Zusätzlich soll erkennbar werden, welche Maßnahmen in besonderem Maße zu einer positiven Entwicklung von Pflegekindern beitragen. Um mögliche Entwicklungsunterschiede und ihre Ursachen untersuchen zu können, soll bei Pflege- und Vergleichskindern eine Reihe von Erhebungen stattfinden. Dazu zählen u.a. die Beantwortung von Fragebögen durch die Eltern (z.B. zu Bewältigungs- und Emotionsregulationskompetenzen, zu kritischen Lebensereignissen und Verhaltensauffälligkeiten), die Durchführung von Verhaltensbeobachtungen sowie die Erhebung verschiedener physiologischer Parameter, die Hinweise auf das Stresserleben von Kindern liefern können (z.B. die Schlafqualität und Cortisol-Messungen). Die längsschnittlichen Erhebungen sollen in einem halbjährlichen Abstand wiederholt werden, um Entwicklungsverläufe und mögliche Einflussparameter erfassen zu können.